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Der Bau der Kirche in Meinersen

von Helmut Buchholz

Merian-Stich Meinersen um 1650
Merian-Stich Meinersen um 1650. Im Vordergrund links die alte Kirche.

Unter diesem Titel liegt ein doppelseitiges Schreiben in der alten Superintendentur in Sievershausen, das es wert ist, hier im vollen Text abgedruckt zu werden - mit einigen anschließenden Erklärungen. Vorweg kann schon gesagt werden, dass es sich hierbei um einen aktuellen Bericht über ein gerade abgeschlossenes Ereignis handelt, wobei der Berichterstatter namenlos geblieben ist, wie auch das Datum der Niederschrift. Letzteres lässt sich aber ziemlich genau auf den Beginn des Jahres 1780 festlegen; denn der Vertrag von Teschen ist bereits genannt - er war am 13.05.1779 , und die Kaiserin Maria Theresia von Österreich lebte noch: gestorben 29.11.1780. - Im nachhinein sind einige Erklärungen nötig. Es folgt zunächst die genaue Wiedergabe:

"Diese Kirche hieselbst zu Meinersen ist gegründet ao. (anno) 1776 und völlig fertig worden ao. 1779. Die vorige Kirche, welche auf demselben Platz gestanden, auf welchem diese Kirche gebaut ist, war eine Kreuzkirche, ganz massiv und in deren Mitte auf 4 starken Pfeilern, die durch ein Kreuzgewölbe miteinander verbunden waren, stand ein runder Turm, der aber durch Alter so baufällig worden, dass schon vor 30 Jahren über die Hälfte davon abgetragen werden musste. - Auf einem neben der Kirche befindlichen Stein stand die Jahreszahl 1201 - 1101.
Stein mit Jahreszahl 1101
Stein mit Jahreszahl 1101 (rechts)
Es ist indessen nicht ausgemacht, ob diese alte Kirche über 600 Jahre gestanden habe. Soviel ist jedoch gewiß, daß solche im 14. saeculo schon gesetzt worden. Der unter dem Altar in der neuen Kirche eingemauerte Stein ist ein Stück aus der alten Kirche wo man weiter keine Nachricht weiß. Vermutlich ist solcher erst später in die alte Kirche eingemauert, als sie erbaut ist. Alle übrigen Steine sind gleichfalls wieder zu dieser neuen Kirche angewendet worden. Der Bau dieser Kirche ist von dem zeitigen Amtmann dirigiert. Der Maurermeister Schilling in Hannover hat die Maurer- und der Zimmermeister Michael Wolfram allhier die Zimmerarbeit verfertiget. Zu dieser Zeit waren die Beamten hieselbst: Heinrich Ernst Ludwig Meyer, Amtmann, und Joh. Chr. Harden, Amtsschreiber. Der zeitige Prediger Philipp Ahlvers zu Päse hat während des Baues 5 Jahre hieselbst vicariert, nachdem der vorherige Pastor David Just Johan Viedtke von hier nach Blendern translociert worden, damit die Pfarrfixa zum Kirchenbau mit angewendet werden konnten Das Dorf Meinersen besteht jetzt aus 34 Haus-, worunter 4 neue Anbauern befindlich und war die Anzahl der Lebenden, Alte und Kinder, im Dorfe 295, dazu in dem Amtsbezirk aber 95 Seelen, also insgesamt 380 Seelen. Zu dem Bau der Kirche hat die Gemeinde die Handdienste verrichtet, auch die mehrsten Spanndienste zur Anfahrung des Holzes. Doch hat auch das ganze Amt freiwillige Fuhren dazu geleistet. Der Magistrat in Braunschweig, Herr v. Oberg zu Duttenstedt, und die Herren v. Mahrenholtz zu Schwülper haben Holz, der Herr Landschaftsdirektor v. Mahrenholz zu Dieckhorst aber hat zu den Festen 50 Taler geschenkt.
Schwarzweißbild Kirche Meinersen
In diesen Tagen, in welchen Seine Königl. Majestät Georg III. seine glorreiche Regierung als Churfürst in den Churlanden führte, sind besonders folgende Umstände merkwürdig: Die Amerikaner rebellierten gegen Engeland und erklärten ihre Unabhängigkeit, Frankreich erklärte die rebellischen Amerikaner gleichzeitig für unabhängig, schickte ihnen Gewehre und fing mit England Krieg an. Spanien trat dieser Erklärung ao. 1779 bei und vereinigte sich mit Frankreich, schickte auch den Amerikanern Hilfe. In Deutschland entstand nach dem Tode Maximilians von Bayern 1778 ein heftiger Krieg. Da die Kaiserin Maria Theresia und der Kaiser Josef einen großen Teil von Bayern in Besitz nahmen, der König von Preußen, nebst Sachsen sich dem Kaiser entgegensetzte und den glorreichen Frieden von Teschen am 13. Mai 1779 bewirkten, wodurch der Kaiser Bayern wieder räumte. Im Jahr 1773 war der Roggenpreis aufs höchste gestiegen und galt bis 2 ½ Taler den Brg. Himten. In diesem Jahr war solcher bis 18 mgr. heruntergefallen. Der Hafer galt 10-11 gr. und der Buchweizen 17 gr. In diesen Jahren war eine ziemlich gute Ernte von reinem Korn. Das Sommerkorn aber samt dem Buchweizen geriet außerordentlich gut. Der Knopf auf dem Turm, so den August 1779 aufgesetzt durch den Schieferdecker Joh. Heinr. Vulle aus Goslar. Übrigens ist sie teils aus eigenen Mitteln, teils von den Gaben aus einer jeweiligen Beckenkollekte, teils von den Vakanzgeldern der 5-jährige Pfarr-Vicarie erbaut."